Aus einer Kooperation im Rahmen des Projekts HI Lübeck entstand im Sommersemester 2026 das Vertiefungsseminar „Smart City Cockpit – Design & Prototyping“ am Institut für Menschzentrierte Interaktive Systeme (IMIS) der Universität zu Lübeck. Das Seminar wurde von Jan Heidinger, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am IMIS, durchgeführt und von Prof. Dr. Thomas Franke fachlich verantwortet. Begleitet wurde die Veranstaltung von Joachim Schonowski, Smart-City-Experte bei den Stadtwerken Lübeck, der seine Praxiserfahrungen und Anforderungen aus aktuellen Smart-City-Projekten aktiv in das Seminar einbrachte.
Im Rahmen des Seminars beschäftigten sich die Studierenden mit der Frage, wie digitale Plattformen Bürgerinnen und Bürgern, Verwaltung, Wissenschaft und Wirtschaft den Zugang zu städtischen Informationen erleichtern und gleichzeitig neue Handlungsmöglichkeiten eröffnen können. Ausgangspunkt war die Entwicklung innovativer Smart-City-Cockpits, die Daten, Dienstleistungen und Beteiligungsangebote intelligent miteinander verknüpfen.
Dabei setzten sich die Teilnehmenden intensiv mit wissenschaftlicher Literatur, bestehenden Smart-City-Plattformen sowie aktuellen Herausforderungen in den Bereichen Nutzerführung, Transparenz, Datenbereitstellung und Governance auseinander. Ziel war es, wissenschaftliche Methoden mit praxisnahen Anforderungen zu verbinden und daraus konkrete Prototypen für zukünftige Smart-City-Anwendungen zu entwickeln.
Gruppe Energie
Die Projektgruppe Energie entwickelte einen Prototypen für ein Smart-City-Cockpit, das Informationen aus unterschiedlichen Themenbereichen wie Energie, Mobilität, Bildung und Partizipation in einer gemeinsamen Oberfläche bündelt. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie städtische Daten verständlich aufbereitet und für unterschiedliche Zielgruppen zugänglich gemacht werden können. Die Studierenden untersuchten dabei insbesondere Such- und Navigationskonzepte sowie die Verknüpfung von Daten, Dienstleistungen und Beteiligungsangeboten. Der entwickelte Ansatz zeigt, wie Smart-City-Cockpits Informationen nicht nur visualisieren, sondern in einen verständlichen Kontext einordnen können. Die Gruppe kam zu dem Ergebnis, dass nutzerzentrierte Gestaltung, Transparenz und die Kontextualisierung von Daten entscheidende Voraussetzungen für den Mehrwert digitaler Stadtplattformen sind.
Gruppe Mobilität
Die Projektgruppe Mobilität entwickelte einen Prototypen für eine digitale Mobilitätsplattform, die verschiedene Zugänge zu städtischen Informationen vereint. Nutzerinnen und Nutzer können je nach Bedarf zwischen einer Kartenansicht, einem individuell konfigurierbaren Dashboard oder einem KI-gestützten Assistenten wählen. Ziel war es, komplexe Mobilitätsdaten verständlich aufzubereiten und die Orientierung im urbanen Alltag zu erleichtern. Dabei beschäftigte sich die Gruppe intensiv mit Fragen der Personalisierung, Nutzerfreundlichkeit und Transparenz. Darüber hinaus wurden Chancen und Herausforderungen des Einsatzes von KI im Smart-City-Kontext diskutiert, insbesondere im Hinblick auf Vertrauen, Nachvollziehbarkeit und Datenschutz.
Wissenschaftliche Erkenntnisse als Grundlage für innovative Lösungen
Beide Gruppen verdeutlichten in ihren Präsentationen, wie wissenschaftliche Erkenntnisse, Praxisbeispiele und eigene Erfahrungen zu innovativen Lösungsansätzen zusammengeführt werden können. Die Studierenden hinterfragten bestehende Konzepte kritisch, reflektierten die Grenzen ihrer Ansätze und entwickelten daraus konkrete Empfehlungen für die Gestaltung zukünftiger Smart-City-Anwendungen.
Jan Heidinger zieht ein positives Fazit des Seminars:
„Ich fand es spannend, studentische Projekte zu betreuen, das von einer realen, komplexen Fragestellung ausging. Ich glaube, gerade dieser Praxisbezug hilft den Studierenden zu sehen, wo sie ihre HCI-Expertise einbringen und gleichzeitig verbessern können, zum Beispiel wissenschaftliche Literaturrecherche und Designmethoden.“
Auch Joachim Schonowski zeigte sich beeindruckt von den Ergebnissen:
„Die Studierenden haben sich mit einem sehr umfangreichen und komplexen Thema auseinandergesetzt. Die Entwicklung eines kommunalen Smart-City-Cockpits erfordert die Berücksichtigung unterschiedlichster Anforderungen und Nutzergruppen. Umso erfreulicher ist es, dass die Teams sowohl übergreifende als auch spezifische Lösungsansätze entwickelt und insgesamt ein solides sowie innovatives Ergebnis geschaffen haben.“
Die Abschlusspräsentationen machten deutlich, dass erfolgreiche Smart-City-Cockpits nicht allein auf Daten beruhen. Entscheidend sind verständliche Zugänge, die Einordnung von Informationen in einen nachvollziehbaren Kontext sowie eine konsequente Ausrichtung an den Bedürfnissen der Nutzerinnen und Nutzer.
Die im Seminar entwickelten Konzepte und Prototypen werden im nächsten Schritt Vertreterinnen und Vertretern der Hansestadt Lübeck vorgestellt. Ziel ist es, gemeinsam zu prüfen, ob einzelne Ansätze, Ideen oder Gestaltungsprinzipien in bestehende oder zukünftige Smart-City-Aktivitäten einfließen können.